Ethikunterricht an allen Schulen

– Ein Konzept

 

 

 

 

Es ist paradox, daß Sokrates, Platon und Aristoteles als wich-tigste Denker der abendländischen Antike anerkannt sind und deren Wirken und Lehren als prägnant für unsere heu-tige westliche Kultur gelten, aber dem Wissen, das sie uns hinterlassen haben, keine staatliche Beachtung in gebüh-render Weise zukommt. Außer der Beschäftigung von Weni-gen mit diesem Wissen an Universitäten oder in privatem Rahmen, bleibt es ungenutzt.

    Dabei ist der Nutzen, den der Staat von der breiten Anwendung dieses Wissens haben könnte, so groß, daß langfristig viele der Probleme, die den Staat belasten, gelöst werden könnten.

 

 

Die menschliche Grundlage in einer Gesellschaft sind ihre Kinder. Mit welchen Werten oder Antiwerten sie aufwach-sen, ist von immenser Tragweite für die sich entwickelnden Verhältnisse in der Gesellschaft.

    Nun haben sich diese Verhältnisse in unserer Gesellschaft schon in negativer Weise bis zu einem bestimmten Grad entwickelt. Der Primärgrund dafür liegt in der mangelnden Vermittlung von ethischen Werten an den Schulen und in den Familien.

    In der Nachkriegszeit lag der Werteschwerpunkt, wie schon zuvor, bei Disziplin, Fleiß und Ordnung. Dies sind jedoch keine ethischen Werte, sondern allenfalls Rahmenbe-dingungen. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Kenntnisse von Fachwissens-bereichen, die hauptsächlich auf die Mehrung des Wohlstan-des in der Gesellschaft ausgerichtet waren. Hinzu kamen die zersetzenden Einflüsse der, durchaus auch Positives kre-ierenden, Unterhaltungsindustrie in immer größer werden-dem Ausmaß. Fazit: Falsch verstandene Werte verwandelten sich in fehlende Werte, die Antiwerten den Platz überließen.

 

 

Nun will ich nicht in erster Weise negative Bilanz ziehen, sondern einen Lösungsweg aufzeigen.

    Menschen kommen mehr oder weniger moralisch veran-lagt auf die Welt. Bei ersteren sollte das ethische Bewußtsein gefördert werden, zweiteren kann es nur von Grund auf beigebracht werden. Um diese Reifeprozesse in Gang zu bringen, bedarf es einer entsprechenden Erziehung im Elternhaus oder Unterrichtung an der Schule. Optimal wäre beides zugleich; da aber viele Eltern selbst keine ethische Erziehung oder Unterrichtung erfahren haben, können sie dies auch nicht an ihre Kinder weitervermitteln, also muß bei dem Schulsystem angesetzt werden.

    Lesen-, Schreiben-, Rechnenlernen – kurz Bildung aus-schließlich, reicht zur guten Entwicklung des Menschen nicht aus. Dazu bedarf es ethischer Einflüsse, die an der Schule gewährleistet werden können und sollen.

 

 

Ich plädiere für die Einführung von Ethikunterricht an allen Schulen. An den Grundschulen soll Ethikunterricht auf kind-gerechte Weise stattfinden, an den Hauptschulen, Real-schulen und Gymnasien dem Maß der möglichen späteren beruflichen Verantwortung entsprechend.

    Das Ziel dieser Idee ist nicht, die gesellschaftlichen Struk-turen zu verändern. Das heißt, die Gesamtheit der Haupt- und Realschüler soll nicht deshalb Ethikunterricht erhalten, damit sie bald promoviert, anstatt die beruflichen Klassen der Arbeiter und Angestellten zu stellen.

    Das Ziel ist vielmehr, daß die Menschen durch die Bildung eines ethischen Bewußtseins eine tiefe innere Zufriedenheit entwickeln, achtsam mit sich selbst, ihren Nächsten, den Mitmenschen, den Mitgeschöpfen und der Natur insgesamt umgehen. Das Ergebnis wäre ein harmoni-scher Staat des Guten: Verschwinden von Drogensucht, Kriminalität, Kindesmißbrauch, Scheidungen, Tierquälerei, Umweltschädigung und allem weiteren Übel.

    Leider ist anzunehmen, daß viele Mächtige aus Politik und Wirtschaft die Realisation dieses Ideals nicht begrüßen werden, weil es ihrer Selbstsucht und Gier entgegensteht. Denn ein Volk, dessen Mehrheit keine ethische Wertevor-stellung hat, läßt sich – vermeintlich – leichter regieren und ist – unbestritten – zügelloser in seinem Konsumverhalten. Der Grund dafür, daß viele Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft daran Interesse haben, ist, daß sie selbst kein ethisches Bewußtsein entwickelt haben, weil es ihnen nicht vermittelt wurde.

    Durch umfangreichen Ethikunterricht an den Gymnasien und Hochschulen kann darauf hingewirkt werden, daß künf-tige Machthaber und Verantwortliche im Staat ein morali-sches Gewissen entwickeln, welches es ihnen verbietet, schlechte Gesetze zu beschließen, Menschen auszubeuten, hemmungslosen Konsum zu fördern oder die Natur zu schädigen.

 

 

Ich definiere nun meine Vorstellung des Ethikunterrichtes.

 

 

Grundschule

 

 

Im Ethikunterricht der ersten drei Schuljahre werden in der gleichen Reihenfolge ausgewählte Märchen, Fabeln und Sagen vorgelesen und besprochen. Die meisten Kinder haben ein natürliches Interesse an mythischen Geschichten, die sie so kennenlernen und deren moralische Botschaften erfahren. Durch die gemeinsame Erörterung werden Meinungsbildung und Urteilsvermögen geschult.

 

 

Eine Sage mit hohem ethischen Lernwert ist die Sage des Herakles, insbesondere die Geschichte `Herakles am Schei-deweg´, in der er als Jüngling darüber nachdenkt, was für ein Leben er künftig führen wolle, worauf ihm die Göttin der Tugend und die Göttin des Lasters erscheinen und ihm beide Lebenswege beschreiben. Durch die spannenden Abenteuer, die Herakles erlebt, dürften die Schulkinder von seiner Sage begeistert sein.

    Die Sage des Midas, dem die Erfüllung seines Wunsches, alles was er berührt, möge sich in Gold verwandeln, bitter aufstieß, als er feststellte, daß sich auch Speise und Trank, für ihn ungenießbar, in Gold verwandelten, die Sage von Daidalos und Ikaros, die sich mit selbstkonstruierten Flügeln in die Lüfte emporschwangen, Ikaros aber die Mahnung seines Vaters ignorierte, er möge nicht zu hoch fliegen, wegen der Sonnenstrahlen, die das Wachs der Flügel schmel-zen, und nicht zu niedrig, wegen der Wellen, die die Flügel beschweren würden, die Sage des Theseus, der den Mino-taurus bezwang, die für diesen als Opfer ausgelosten Men-schen befreite und mit dem Faden der Ariadne den Weg aus dem Labyrinth fand und viele weitere Sagen sind wertvoll für den Unterricht im dritten Schuljahr.

 

 

Ethik ist fest verbunden mit Philosophie.

    Das 2004 in Deutschland erschienene Buch `Gedanken-spiele – Philosophie für Kinder´ der schwedischen Autorin Liza Haglund ist als Lehrbuch im vierten Schuljahr optimal.

 

 

Desweiteren sollten schon ab der Grundschule Ernährung und Umweltschutz Themata des Ethikunterrichtes sein.

 

 

Der Ethikunterricht sollte für alle Grundschulklassen jeweils wenigstens einmal wöchentlich in einer Doppelschulstunde stattfinden.

 

 

Haupt- und Realschule

 

5. und 6. Schuljahr

 

 

Im Ethikunterricht der Schuljahre 5 und 6 werden die wich-tigsten Philosophen, beginnend mit der griechisch-römischen Antike, sowie die Grundzüge und bestimmte Kerninhalte ihrer Lehren vorgestellt und bearbeitet. Der Sinn des Ethik-unterrichtes ist nicht, den Schulkindern nur eine bestimmte philosophische Richtung aufzuzeigen und sie von vornherein in subjektiver Weise zu beeinflussen, sondern ihnen ver-schiedene geistige Modelle zu zeigen, um so das objektive moralische Urteilsvermögen zu schulen. Die Schulkinder werden selbst erkennen, welchen Modellen in ihrem ethi-schen und logischen Anspruch der Vorzug zu geben ist.

 

 

Als Einstieg im Unterricht bieten sich die Sieben Weisen an, die als die ersten Philosophen gelten: Thales: „Erkenne dich selbst!“ Solon: „Nichts zu sehr!“ Chilon: „Bürgschaft, – schon ist Unheil da.“ Pittakos: „Erkenne den passenden Augenblick!“ Bias: „Die meisten sind schlecht.“ Kleobulos: „Maß ist das Beste.“ Periander: „Alles ist Übung.“ Von ihnen sind vorwiegend Sinnsprüche überliefert und Aussagen zu wichtigen Fragen, wie beispielsweise: „Welches ist der beste Staat?“ Thales: „Der weder allzu Reiche noch allzu Arme hat.“ Kleobulos: „Wo die Bürger einen Tadel mehr fürchten als das Gesetz.“ Manche Aussprüche dürften die Schulkinder auch zum Lachen bringen, zum Beispiel mahnte Thales: „Wer harten Stuhlgang hat soll drücken.“

    Als Zeitrahmen sind 4 Doppelschulstunden, also 4 Wo-chen schätzbar.

 

 

Es folgen die Begründer der wichtigsten philosophischen Richtungen: Pythagoras, Sokrates, Platon, Aristoteles, Diogenes, Epikur und Zenon. Die Lebensweisen und Mei-nungen der einzelnen Philosophen waren teilweise unter-schiedlich bis gegensätzlich. Die von ihnen begründeten philosophischen Richtungen standen entsprechend konträr zueinander.

    Pythagoras, der neben mehreren Funktionen, darunter die bekanntesten als Astronom und Mathematiker, auch Philo-soph war, wurde vom Senat und den Machthabern grie-chischer Kolonialstädte in Unteritalien dazu berufen, der Bevölkerung Ethikunterricht zu erteilen; die Machthaber selbst ließen sich von ihm unterrichten. Auch lange nach seinem Tod waren unter seinen Anhängern, den Pythago-reern, politische und militärische Machthaber, die weise und gerecht regierten. Sokrates, der auf den öffentlichen Plätzen Athens Passanten, gleich welchen Standes, in Gespräche verwickelte, die meistens das tugendhaft geführte Leben zum Thema hatten, wurde zum Tode durch den Giftbecher ver-urteilt, weil er sich zu oft die Mißgunst hochrangiger Bürger zugezogen hatte, deren vermeintliches Wissen er als Nicht-wissen aufgedeckt hatte. Sein Schüler Platon, der die Gespräche Sokrates´ aufschrieb und seine eigenen Lehren entwickelte, beschäftigte sich mit den Fragen: „Was ist das Gute? Was sind Ideen? Ist die Seele unsterblich? Wie ist der ideale Staat beschaffen? Was ist Tugend?“ und entwarf logische faszinierende Erklärungsmodelle. Er gründete eine Schule, die Akademie, und hat zweifellos viele der wichtig-sten Philosophen nach ihm beeinflußt. Sein Schüler Aristoteles verehrte Platon in hohem Maße, war aber in wichtigen Fragen anderer Meinung und gründete nach dessen Tod eine eigene Schule. Seine Erkenntnisse sind bis heute von grundlegender wissenschaftlicher Bedeutung. Die von Epikur begründete philosophische Gemeinschaft der Epikureer war der Meinung, Philosophen sollten sich nach Möglichkeit der gesellschaftlichen und politischen Verantwortung entziehen, um den Seelenzustand nicht in Aufruhr zu versetzen. Ihr Versammlungsort war Epikurs Garten, in dem sie sich mäßigen Vergnügungen hingaben und ausschließlich für sich philosophierten. In krassem Gegensatz dazu standen die Stoiker. In der von Zenon begründeten Schule der Stoa war es Lehrmeinung, daß der Mensch ein gemeinschaftliches Wesen ist, tugendhaft leben und nach Kräften seinen Beitrag zum Gelingen der Gesellschaft leisten soll. Berühmte römische Stoiker waren Marc Aurel, der Philosoph als Imperator, und Epiktet, ein freigelassener Sklave. Die Kyniker, die nach dem Vorbild des Diogenes lebten, lehnten Besitztum ab und hüllten sich in Lumpen. Diogenes selbst lebte in einer Tonne. Eine der berühmten Anekdoten über ihn ist, wie er am hellichten Tage mit einer leuchtenden Laterne über den bevölkerten Marktplatz schritt und auf die Frage, was er da mache, zur Antwort gab, er suche nach Menschen.

 

 

7. Schuljahr

 

Die griechisch-römische Philosophie der Antike ist also Unterrichtsthema im 5. und 6. Schuljahr. Im 7. Schuljahr wird das erlernte Wissen mit der Tugendlehre ergänzt und vertieft. Die Schulkinder schreiben über jede der Tugenden: Wahrhaftigkeit, Treue, Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Besonnenheit und Maßhaltigkeit, um die wichtigsten zu nennen, einen Aufsatz. Anschließend wird die jeweilige Tugend diskutiert und abschließend definiert mittels der speziellen Lehren solcher Philosophen, die intensive For-schung darüber betrieben haben, vor allem Platon, Sokrates, Aristoteles sowie die Stoiker.

 

    Als Zeitrahmen sind 2 Doppelschulstunden, also 2 Wo-chen, pro einzelne Tugend schätzbar.

 

 

8. Schuljahr

 

Im 8. Schuljahr sind die Religionen Unterrichtsthema. Neben den Gesamtreligionen: Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und den verbreitetsten sowie den geistvollsten ihrer einzelnen Richtungen, wie Sufismus und Alevismus im Islam, werden auch Naturreligionen wie die der Indianer und die der Kelten vorgestellt und verglichen. Besondere Aufmerksamkeit erfahren dabei auch die Reli-gionsbegründer sowie die geschichtliche Entwicklung von Religionen.

 

 

Durch die Erkenntnisse, zu denen die Schulkinder im Ethik-unterricht der vorangegangenen Schuljahre gelangt sind, verfügen sie nun über ein Grundmaß an objektivem und moralischem Urteilsvermögen und sind gefeit gegen schlechte Einflüsse einiger Religionen und in der Lage, diese kritisch zu beurteilen.

 

 

Schon Buddha verlangte von seinen Schülern, seine Lehre nicht anzunehmen, ohne sie einer gewissenhaften Prüfung zu unterziehen. Und Sokrates forderte seine Anhänger auf, keine Lehre anzunehmen, ohne diese ethisch und logisch zu hinterfragen.

 

 

9. und 10. Schuljahr

 

 

Im ersten Halbjahr des 9. Schuljahres an den Haupschulen und im ganzen 9. Schuljahr an den Realschulen wird eine Auswahl der wichtigsten Denker der Neuzeit und der Moder-ne vorgestellt und deren Lehren und Meinungen diskutiert und in Form von Interpretationen bearbeitet.

 

 

Im zweiten Halbjahr des 9. Schuljahres an den Hauptschulen und im 10. Schuljahr an den Realschulen ist der philo-sophische Ethikunterricht vorwiegend lebenspraxisbezogen. Ein Themenbestandteil ist die Vermittlung des Verständnis-ses, daß die einzelnen Berufe zum Funktionieren der Gesell-schaft beitragen und der Handwerker genauso achtungswür-dig seinen Beitrag leistet, wie die Wissenschaftlerin. Und diejenigen, die von ihrer Fähigkeit her am besten zur Fabrikarbeit geeignet sind, sollen sich nicht minderwertig fühlen, sondern verantwortungsvoll der Gesellschaft gegenüber ihre Arbeit verrichten, im frohen Bewußtsein, in einem freiheitlichen und sozialen Staat zu leben, der ihnen die Möglichkeit gibt, sich in der Freizeit sinnvoll zu entfalten. Weitere Themenschwerpunkte sind: Welche sinnvollen Freizeitbeschäftigungen gibt es? Wie ist eine gute Ehe/Lebenspartnerschaft zu führen? Wie ist eine gute Kindererziehung zu gewährleisten? Welches ist die beste Ernährung? Was kann ich zum Tierschutz beitragen? Wie leiste ich als Einzelner meinen Beitrag zum Umweltschutz? Der Unterricht bietet natürlich auch die Möglichkeit für freie Themen nach Bedarf.

 

 

Sonderschule

 

 

Das Ethikunterrichtskonzept der Sonderschule ist gleich dem der Hauptschule.

 

 

Die Möglichkeit moralischer Entwicklung darf Kindern, die Sonderschulen besuchen, nicht vorenthalten werden. Wenn der Ethikunterricht an den Grundschulen etabliert und auf Dauer erfolgreich ist, kann die Form der Sonderschule vielleicht irgendwann abgeschafft werden.

 

 

Fachhochschule

 

 

Das Ethikunterrichtskonzept der Fachhochschulen sämtlicher Bereiche ist gleich dem des Gymnasiums der Schuljahre 11 und 12.

 

 

Gymnasium

 

 

Das Ethikunterrichtskonzept des humanistischen sowie des naturwissenschaftlichen Gymnasiums ist bis zum 10. Schul-jahr gleich dem der Realschule.

 

 

In den Schuljahren 11 bis 13 (bis 12 beim verwerflichen G8) werden bestimmte Bücher der wichtigsten Philosophen, wie `Apologie des Sokrates´ und `Phaidon´ von Platon, `Nikomachische Ethik´ von Aristoteles, `Metamorphosen´ von Ovid, `Vom glücklichen Leben´ von Seneca, ganz gelesen und in Interpretationen und Diskussionen bearbeitet. Außerdem darf jede Schülerin und jeder Schüler aus einem breiten Angebot philosophischer Literatur einzelne Bücher zur Lektüre, Interpretation und Vortragung auswählen.

 

 

Universität / Hochschule

 

Für alle Berufe, die ein hohes Maß an Verantwortung erfor-dern – Politiker, Pädagogen, Mediziner, Forscher, Juristen, Offiziere – ist neben dem jeweiligen Hauptstudium ein um-fangreiches Ethik- und Philosophiestudium Bedingung.

     In dessen Rahmen lernen angehende Mediziner den Hippokratischen Eid nicht nur kennen, sondern auch, ihn zu verinnerlichen, so daß er zu ihrer Geisteshaltung wird. Für künftige Politiker wird die genaue Kenntnis von Werken wie `Der Staat´ von Platon, `Selbstbetrachtungen´ von Marcus Aurelius und ähnlicher Werke weiterer wegweisender Philo-sophen zur Pflicht. Für Jurastudenten werden `Die Gesetze´ von Platon zur Pflichtlektüre, und genauso für die weiteren Berufsbilder die ihnen entsprechenden vortrefflichsten philo-sophischen Werke. Natürlich lernt der angehende Mediziner auch den `Staat´ und der künftige Politiker auch die Lehre des Hippokrates kennen, jedoch nicht als Schwerpunkt, son-dern um Geist und Seele in allumfassender Weise zu schulen.


 

Philosophen als Lehrer

 

Künftige Lehrer sollen auch Philosophen sein, gleich welches Schulfach sie unterrichten.

 

 

In Finnland werden Lehramtsbewerber in allen schulischen Bereichen geprüft – finnische Grundschullehrer müssen bis zur sechsten Klasse Unterricht in allen Schulfächern, ein-schließlich Ethik, erteilen können – doch die wichtigste Prü-fung bezieht sich auf die Pädagogik; nicht die Schulfächer sollen unterrichtet werden, sondern die Schüler. Die Lehr-amtsbewerber werden zudem psychologisch und moralisch geprüft. Nur solche Lehrer sind dort erwünscht, die sich dazu berufen fühlen und die richtige geistige Einstellung haben. Nur jeder hundertste erfüllt diese zugegebenermaßen hohen Anforderungen. Damit man die besten Schüler der Welt bekommt, muß man die besten Lehrer ausbilden. Wie erfolg-reich das finnische Schulsystem ist, ist allgemein bekannt.

 

 

Die hoffentlich baldige Einführung von Ethikunterricht an allen Schulen erfordert selbstverständlich eine Nachschulung oder Weiterbildung derjenigen jetzigen Lehrer, die dieses Fach unterrichten wollen.

    Dieses Studium sollte so aufgebaut sein, daß diejenigen, die es mit Begeisterung erfolgreich abgeschlossen haben, als Ethiklehrer qualifiziert und dazu geeignet sind, möglicher-weise die Zukunft zu retten.

 

 

 

                                                                 Frühling 2008

Sommer/Herbst 2013 (überarbeitet)

 

 

 

 

Information

 

 

 

Diesen Aufsatz habe ich im Frühjahr 2014 den Schul-leiterinnen und Schulleitern der 64 Schulen in Wiesbaden – Grundschulen, Hauptschulen, Gesamtschulen, Sonderschu-len, Realschulen und Gymnasien – dem Schulamtsleiter und dem Oberbürgermeister zugesandt.

 

Von den Schulen habe ich nur 3 Antworten erhalten, davon 2, die mir Ihre Nichtzuständigkeit und Ihr Desinteresse mitteilten.

    Dabei wußte ich, daß über ein solches Unterrichtskonzept nicht an den Schulen selbst entschieden wird. Ich wollte Interesse hervorrufen und möglicherweise `einen Stein ins Rollen bringen´, wie ich den Adressaten auch mitteilte, und Meinungen erfahren.

    Die Reaktionen der Ignorierung sind ein Armutszeugnis für den Guten Willen und die Höflichkeit der Schulleiterinnen und Schulleiter.

    Einzig die Schulleiterin der Grundschule, die ich besucht habe, hat mir einen netten Brief geschrieben und einen Jubiläumsband der Schule geschenkt.

 

Daraufhin habe ich diesen Aufsatz den höchsten und den für diesen Bereich zuständigen Politikerinnen und Politikern in Deutschland per Post zugeschickt – der Bundeskanzlerin, der Bundesministerin für Bildung und Forschung, den Minister-präsidentinnen und Ministerpräsidenten sämtlicher Bundes-länder sowie den Regierenden Bürgermeistern der Stadt-staaten und den für das Schulwesen zuständigen Ministe-rinnen und Ministern sämtlicher Bundesländer sowie den zuständigen Senatoren der Stadtstaaten und der ständig tagenden Kultusministerkonferenz.

 

Fast alle haben mir positiv geantwortet, durch Beauftragte und manche auch persönlich. Viele haben mir ihre Anerkennung ausgesprochen, einige teilen meine Meinung und manche haben sogar Verwendung für meine Anregungen.

 

Ich wollte dies anfangs nicht auf meiner Internetseite mit-teilen, weil ich dachte, es könne prahlerisch wirken. Schließ-lich überlegte ich mir, das es das nicht ist. Denn mein Bestre-ben mit diesem Projekt und die Reaktionen zeigen, daß sich auch der einzelne Mensch an die Zuständigen in der Politik wenden kann, wenn er ein vernünftiges Anliegen hat, und Antwort erhält und bestenfalls sogar Wirkung erzielt.

 

Stellen Sie sich einmal vor, wie die Zuständigen in der Politik reagieren würden, wenn Sie täglich hunderte von Briefen erhalten würden, in denen die Bürgerinnen und Bürger ähnliche Anregungen geben würden?